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Reisebericht Klettertouren
So gastlos sind sie gar nicht, die Gastlosen Für ein paar nette Genussklettereien haben wir uns im Frühjahr die Gastlosen in den Schweizer Voralpen ausersehen, sie sind zwischen 1500 und 2200 m hoch und bieten zahlreiche leichte bis mittelschwere Klettereien, teils mit Klettergartencharakter, doch es gibt auch etliche längere Touren mit mehreren Seillängen, genau das Richtige, um sich auf einen alpinen Klettersommer einzustimmen. Der Fels ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, als wir uns an der Wandflue (1750 bis 1900 m) zum ersten Mal nach oben wagen. Die rauen Kalkplatten sind von senkrechten Wasserrillen durchzogen, deren scharfe Kanten unsere Finger und Hände ganz schön in Anspruch nehmen, ebenso die Kleidung, die danach so manche Risse aufwies. Trotzdem macht es Spaß, hier zu klettern, denn der Fels ist äußerst griffig. Genauso viel Spaß machen uns am nächsten Tag die Touren an der Pfadflue, das Gestein ähnlich rau und kompakt wie an der Wandflue. Über fünf Seillängen geht es die Glenfiddich im Schwierigkeitsgrad 4c hinauf, die Route geht über plattigen Fels und erfordert ein paar Mal kleine Aufschwünge. Sie ist gut markiert, genauso wie Salü Jan, die im Schwierigkeitsgrad 6a über 11 Seillängen geht. Bohrhaken geben die nötige Sicherheit, auch später beim Abseilen. Am dritten Tag steht die Dent de Ruth (2236 m) auf dem Programm, ein wirklich steiler „Zahn“! Die Aussicht von den Kletterrouten begeistert uns, wir sehen in der L’avenue des Chamois (auf Deutsch Straße der Gämsen) zwar keine Gämsen, dafür aber bis hinüber zu den Berner und Walliser Alpen. Im Grad 5b klettern wir über neun Seillängen bis hinauf, wo sich uns die ganze Pracht der Schweizer 4000er eröffnet. Etwas anspruchsvoller ist die Diehlkante, laut Führer 6a in ebenfalls neun Seillängen, beide Routen bieten aber absoluten Klettergenuss, wenn auch die Diehlkante von unten etwas leichter aussieht, als sie dann wirklich ist, denn mittendrin entpuppt sie sich als ziemlicher Hammer und wir sind mehr als 5 Stunden darin unterwegs. Als letztes Kletterziel in den Gastlosen haben wir uns den Col d’Oberberg auf der Nordseite ausgesucht. An der Waldeckspitze (1950 m) und am Eggturm (1934 m) locken angenehme Genussklettereien sowie auch einige hammermäßige Powertouren, die von unseren Cracks in Angriff genommen werden. So findet unsere Ausfahrt in die Gastlosen einen würdigen Abschluss, und wir waren bestimmt nicht das letzte Mal dort, denn es warten dort noch viel mehr schöne "gastfreundliche" Kletterrouten auf uns. Allerdings freuen sich unsere von dem rauen Fels geschundenen Finger nun erst mal auf eine Pause.

