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Spielerisch die Welt des Islam entdecken
- 21.08.2010 Während die Debatte über die Integration von Muslimen oft abstrakt bleibt, lässt der neu gegründete Salam-Verlag Taten folgen. Immer mehr Kinder und Jugendliche aus muslimischen Elternhäusern in Deutschland können besser Deutsch als die Muttersprache ihrer Eltern. Doch spezielle Buchangebote gab es für sie bislang nicht.
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Da stellt "Der kleine Hassan" Fragen zum Propheten Mohammed ebenso wie zu Jesus, dem islamischen Opferfest und Weihnachten. In "Fayzal der Krebsfänger" lernt ein Junge, mit seiner Erkrankung umzugehen. "Mein erstes Gebetbuch" führt mit heiteren Bildern spielerisch in die islamischen Gebetsrituale ein. Begleitet von einem Kätzchen, das sich ebenfalls an den Verbeugungen versucht. "Arabisch lernen mit Simsim" ist ein Lehrbuch für Grundschüler. Hier verfolgt die Didaktik neue Wege der Sprachvermittlung für in Deutschland aufwachsende muslimische Kinder. "Das Geschenk" vermittelt einem kleinen Jungen den Wert des Wortes, ob vom Großvater oder Propheten Mohammed gegeben, als besondere Gabe.
Für Salam-Verlagsleiter Ahmad Milad Karimi, der 2009 als erster den Koran poetisch und wortgetreu ins Deutsche übertrug und Herausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift "Kalliope" ist, bedeutet das neuartige Verlagskonzept "Pionierarbeit auf jeder Ebene", wie er betont. Ziel sei dabei nicht, "islamisches Gedankengut zu verbreiten", sondern "Muslime in Deutschland in ihrer eigenen Religiosität und Komplexität zu unterstützen". Auch für die spezielle Situation muslimischer Mädchen, den "Muslimgirls", sei ein Buchkonzept geplant, erklärt der Islamwissenschaftler.
Christian Zell, stellvertretender Leiter der städtischen Kindertagesstätte Pastorenweg in Bremen, in der "70 bis 80 Prozent meist islamische Migrationskinder" betreut werden, würde es "sehr begrüßen", wenn er mehr kindgerechte Literatur zu islamischen Festen und interkulturellen Themen zur Auswahl hätte. Erinnert er sich doch, wie zum letzten Opferfest türkische Mütter des Kita-Beirats mit Selbstgeschriebenem von Gruppe zu Gruppe gingen, um den Kindern die Bedeutung des muslimischen Feiertags zu erklären.
Die Verlagsidee "ist mehr als überfällig", sagt Sineb El Masrar, Herausgeberin und Chefredakteurin der "Gazelle" in Berlin, dem einzigen interkulturellen Frauenmagazin für Migrantinnen. Die Tochter marokkanischer Einwanderer kennt bisher keine deutsche Kinderliteratur, die sich mit dem Leben in dem neuen Kulturkreis und besonders mit der "Integration muslimischer Mädchen" befasst. Das habe ihr selbst "oft auch gefehlt". Großen Bedarf für die Bücher macht die heute 29-Jährige nicht nur für Familien aus, sondern ebenso in Grundschulen und Kindergärten. Als Mitglied der Deutschen Islamkonferenz (DIK) sieht sie eine wichtige Aufgabe darin, erst einmal das Interesse an dieser Literatur zu wecken.
Bülent Uçar, deutsch-türkischer Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück und Autor des für deutsche Grundschulen entwickelten Lehrbuchs "Mein Islambuch", bemängelt, dass es hierzulande bisher "nur wenig Material" gebe, um das Zusammenleben von "Muslimen und Christen zu stärken". Der Wissenschaftler begrüßt die Verlagsgründung. Sie greife Themen der Islamkonferenz auf und komme seiner "Forderung entgegen", mehr "für die Normalität des Islams" in Deutschland zu tun.
Milad Karimi hat zur Begleitung seiner Verlagsidee einen "wissenschaftlichen Beirat" einberufen. Neben Sineb El Masrar, Bülent Uçar sowie der Mitverlegerin und Islamwissenschaftlerin Nora Hodeige, konnte er den vielfach ausgezeichneten deutsch-irakischen Schriftsteller mit christlich-aramäischen Wurzeln Rafik Schami und den österreichischen Menschenrechtler Alfred Zauner gewinnen.
Um erstmal die kleine Auflage von 2000 bis 3000 Stück je Titel gezielt zu vermarkten, will Andreas Hodeige - Rombach-Verleger und Haupteigner des Salam-Verlags sowie mehrerer Buchhandlungen - dahin liefern, "wo die Menschen sind". Dabei hat er deutsche und muslimische Schulen, Moscheen, Imame und Kindergärten im Blick. Nicht aber Buchhandlungen, denn seiner Erfahrung nach kommen muslimische Eltern nur selten dort hin, weil es bisher kaum kindgerechte Bücher mit islamischem Hintergrund in deutscher Sprache gibt. Wenn sich das Programm etabliert hat, "wird es auch der Buchhandel nehmen", ist der Unternehmer überzeugt.
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