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Nikolaus Brender verliert Posten als ZDF-Chefredakteur
28.11.2009 Der Vertrag von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wird nicht verlängert: Die von Intendant Markus Schächter vorgeschlagene Vertragsverlängerung scheiterte offenbar an den konservativen Mitgliedern im Verwaltungsrat des Senders. Der Vorsitzende des Gremiums, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), bedauerte die Entscheidung, während der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt, sie als "Neuanfang" verteidigte. Die Deutsche Journalisten- und Journalistinnen-Union (dju) verurteilte die Entscheidung als "Anschlag" auf die unabhängige Berichterstattung.
![]() Brenders Vertrag wird nicht verlängert © Michael Gottschalk |
Die von ZDF-Intendant Markus Schächter vorgeschlagene Vertragsverlängerung scheiterte offenbar an den konservativen Mitgliedern im 14-köpfigen Verwaltungsrat. Laut Beck stimmten sieben Vertreter für Brender, sieben votierten gegen den 60-Jährigen. Damit verfehlte Brender die notwendige Mehrheit. Brender ist seit neun Jahren ZDF-Chefredakteur. 2010 läuft sein Vertrag aus.
Beck sagte nach der Sitzung vor Journalisten, dass die Entscheidung nach "langer und intensiver Debatte" gefallen sei. "Ich bedaure dies sehr, weil es das ZDF in eine schwierige Lage bringt, weil der Eindruck, dass es sich um sachfremde oder parteipolitische Erwägungen handelt, in der Öffentlichkeit nicht zu entkräften ist", fügte er hinzu. Er sehe keine sachlichen Begründungen für die Entscheidung. Brender habe vielmehr in den vergangenen Jahren rund 200 Millionen Euro eingespart und damit zur Konsolidisierung des Senders beigetragen. Beck kündigte an, gemeinsam mit der Bundestagsfraktion und anderen SPD-Ministerpräsidenten rechtliche Schritte zu prüfen.
Koch, der als Wortführer der Brender-Gegner gilt, nannte den Chefredakteur "einen guten Journalisten". Doch sei es bei der Entscheidung vor allem um Management-Fragen gegangen. Nach zehn Jahren mit Brender habe sich die Frage nach einem Neuanfang gestellt - "ganz unabhängig von politischen Fragestellungen". Er selbst habe einen solchen Neuanfang befürwortet, auch vor dem Hintergrund von ZDF-Einschaltquoten.
Schächter äußerte Bedauern über die Entscheidung des Verwaltungsrats. Schächter nannte "publizistische Unabhängigkeit und journalistische Kompetenz" als wichtige Qualitäten Brenders.
"Das ist ein brutalstmöglicher Anschlag der CDU auf die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", erklärte der Bundesvorsitzende der zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gehörenden dju, Ulrich Janßen, in Berlin.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), warf der CDU vor, die Vertragsverlängerung aus parteipolitischen Gründen verhindert zu haben.
© AFP
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