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Rufe nach Abzug aus Afghanistan werden lauter
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- Rufe nach Abzug aus Afghanistan werden lauter03.08.2009 Vertreter westlicher Geheimdienste sehen für den Vorschlag des neuen Generalsekretärs der NATO, Anders Fogh Rasmussen, für Verhandlungen mit "gemäßigten Taliban" über die Zukunft Afghanistans kaum Chancen. "Es gibt keine gemäßigten Taliban, mit denen man verhandeln könnte", sagte ein amerikanischer Geheimdienstexperte der Nachrichtenagentur am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul.
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Auch in Kreisen des afghanischen Geheimdienstes NDS, der von Amrullah Saleh geführt wird, heißt es, Verhandlungen mit den Islamisten seien "so gut wie aussichtslos". Es gebe nur eine Möglichkeit, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen, wenn sie derart in die Enge getrieben werden, "dass sie kurz vor der Aufgabe stehen". Angehörige des NDS wiesen auf die vielfachen vergeblichen Versuche des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in der Vergangenheit hin, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen. Ihr Anführer Mullah Omar wies stets alle Vorschläge zu Friedensverhandlungen vehement zurück. Er beharrte auf der Vorleistung, dass zunächst alle ausländischen Truppen afghanischen Boden verlassen müssen.
Unterdessen werden die Rufe nach einem Abzug der ISAF-Truppen vom Hindukusch immer lauter. Nach den neuen schweren Verlusten der Briten im Süden Afghanistans haben 58 Prozent der britischen Bürger die Meinung vertreten, dass der Kampf gegen die Taliban nicht mehr gewonnen werden kann. 52 Prozent von ihnen sprachen sich in der von der Tageszeitung "Independent" veranstalteten Umfrage dafür aus, die britischen Truppen sofort aus Afghanistan abzuziehen. Angesichts der ständig zunehmenden und präziser ausgeführten Angriffe der Islamisten auf den nördlichen Stützpunkt der Bundeswehr in Kundus befürchten deutsche Geheimdienste, dass die "britische Situation" schnell auch auf die Bundesbürger überspringen könnte.
"Sehr beunruhigt" äußerten sich deutsche Geheimdienstler in Kabul über den Ausgang der Operation "Adler" im Großraum von Kundus. Der afghanischen Armee, die mit Unterstützung der Bundeswehr zwei Wochen lang die Taliban aus dem unsicheren Distrikt Chahar Darreh südwestlich des deutschen Feldlagers vertrieben hatte, war nur ein kurzer Erfolg beschieden. Kaum war der Großteil der verbündeten afghanischen und deutschen Soldaten abgerückt, waren die Taliban wieder da. Sie hatten sich bei den Dorfbewohnern versteckt oder waren nach Pakistan ausgewichen. Jetzt drohen den Bundeswehrsoldaten in Kundus neue Angriffe.
Von Geheimdienstlern des NDS war zu hören, dass die Attacken der Taliban, die sie nach ihrer neuen Taktik in gezielte Angriffe aus dem Hinterhalt oder in "offene Feldschlachten" ummünzen, auf die Errichtung einer Enklave, eines eigenen Gebietes, im Raum Kundus zielen. Nach Angaben des NDS wollen die Taliban eine eigenständige Region im Norden Afghanistans wie im weiträumigen Swat-Tal im Nordwestgebiet Pakistans aufbauen. Im Herbst 2007 hatten die Taliban mit einem Aufstand im Swat-Tal begonnen. Sie wollten von dort aus ihre Macht auf ganz Pakistan ausbauen. Im Swat-Tal wurde der "Steinzeit-Islamismus" eingeführt. Die Regierung in Islamabad ließ die Taliban zunächst gewähren, vertrieb sie aber im Frühjahr aus dem Tal.
Der neue Oberkommandierende der alliierten Truppen in Afghanistan, US-General Stanley A. McChrystal, zeigte sich zweieinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl am Hindukusch, die der Amtsinhaber Hamid Karsai erneut gewinnen will, besorgt über die Lage gerade im Raum Kundus. Das Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan habe mittlerweile die "volle Aufmerksamkeit" der internationalen Truppe.
Aus dem afghanischen Geheimdienst NDS war zu erfahren, dass die Taliban im Augenblick das Lager der Bundeswehr in Kundus als eine Region ansehen, die auch mit Blick auf die Bundestagswahl in Deutschland am 27. September ein "besonders Zielobjekt" sein müsse. Die Taliban wollen nach den Vermutungen des NDS "größere Verluste der Bundeswehr herbeiführen, mit denen die Stimmung in Deutschland beeinflusst werden kann". Damit könnte Druck auf die Bundesregierung zum Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan ausgeübt werden, sagte ein NDS-Geheimdienstler .
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