09.07.2009 07:18 Alter 3 Jahre Rubrik: Politik_D 133

Angeblich Tausende Ex-DDR-Spitzel im öffentlichen Dienst


Angeblich Tausende Ex-DDR-Spitzel im öffentlichen Dienst09.07.2009 Nach einem Zeitungsbericht sind rund 17 000 ehemalige Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit trotz Prüfungen im öffentlichen Dienst der Landesverwaltungen verblieben.
© 
Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, forderte eine klare Offenlegung der Bundesländer. Er gehe von mehreren 10 000 ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi in Ministerien und Behörden aus. "Das sind Dimensionen, die bisher keiner geahnt hat", sagte Schroeder der Zeitung. Die Überprüfungen seien sehr standardisiert und oberflächlich gewesen. Beispielsweise seien Zollbeamte oder Personenschützer zu großzügig behandelt worden. Sie hätten politisch als eher unbedenklich gegolten.

Der Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen in Magdeburg, Gerhard Ruden, sagte, er halte eine neue Überprüfung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst für erforderlich. "Das ist eine Frage der politischen Hygiene", sagte Ruden dem Blatt. Die Stasi-Akten seien erst heute zum allergrößten Teil erschlossen. Mitte der 90er-Jahre seien drei Viertel der Akten noch gar nicht ausgewertet gewesen. "Damals unbeschriebene Blätter könnten inzwischen zu einer großen Belastung geworden sein", sagte Ruden.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Bürgerrechtler Stephan Hilsberg sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht: "Die Beschäftigung im öffentlichen Dienst an sich ist noch nicht das Problem. Das Problem ist, in welchen Positionen sie da landen." Es sei zu akzeptieren, wenn solche Leute als Pförtner arbeiteten. Wenn sie aber wie beim Landeskriminalamt Brandenburg in Leitungspositionen tätig seien, sei das nicht hinnehmbar. Ähnliches gelte in Schulen. So sei ein früherer Stasi-Mitarbeiter als Lehrer für Werken oder Mathematik vorstellbar. Unvorstellbar sei, dass er politische Bildung oder Geschichte unterrichte.

Der Bürgerrechtler Ehrhart Neubert beklagte, die Gesetze hätten kurz nach der Wende nicht voll gegriffen, da noch nicht alle Informationen vorgelegen hätten. "Man hat nicht durchgesehen", sagte Neubert dem Blatt. Zwar sei klar: "Führende Stasi-Leute haben im öffentlichen Dienst nichts zu suchen." Andererseits sei heute "manches nicht mehr zu reparieren".

Der frühere sächsische Innenminister Heinz Eggert (CDU) sagte, in Sachsen habe man intensiv geprüft. So seien nach der Wende mehr als 1000 Polizisten wegen Stasi-Tätigkeit entlassen worden, 600 seien von allein gegangen - und das in einer Zeit, in der dem Land 2000 Polizisten gefehlt hätten. Andererseits seien viele "Leute, die ich nicht haben wollte, von den Gerichten zurück geschickt worden. Wir mussten sie wieder nehmen", sagte Eggert der Zeitung.

()


Wie fühlst du dich bei dieser Nachricht ? Stimme ab!


schrecklich

langweilig

erfreulich

lustig

interessant

traurig

schön

ärgerlich

Auswertung:

Zeige diese News deinen Freunden auf Facebook:
Einen Kommentar schreiben

smile zwinker Big Grins Confused Cool Cry Eek Evil Frown Mad Mr. Green Neutral Razz Redface Rolleyes Sad Surprised


News der gleichen Kategorie

21. Mai 2012 Opposition kritisiert Nato-Forderung zu Parlamentsvorbehalt 17 Rubrik: Politik_D

- Die Aufforderungen in der Nato an Mitgliedstaaten wie Deutschland, ihre Parlamentsvorbehalte zu modifizieren, um den Einsatz gemeinsamer Waffensysteme zu erleichtern, stoßen im Bundestag auf Vorbehalte. "Einer Aufweichung des...

21. Mai 2012 Graumann: Sarrazin instrumentalisiert den Holocaust 19 Rubrik: Politik_D

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Euro-Thesen des ehemaligen Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin scharf kritisiert. Sarrazin versuche mal wieder, "mit schrägen Thesen kalkuliert zu provozieren - und leider gelingt...

21. Mai 2012 Türkei: Sechs Kinder ertrinken bei Badeausflug 21 Rubrik: Politik_D

- In Karaagac in der türkischen Provinz Hatay sind sechs Jungen bei einem Badeausflug ertrunken. Das berichten türkische Fernsehsender am Montag. Die Kinder waren Teil einer Koranschule, die einen Ausflug zum Meer gemacht hatte....

21. Mai 2012 Schweiz: Diskussion über bessere soziale Absicherung 21 Rubrik: Politik_D

In der Schweiz diskutiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann Lösungsansätze für eine bessere soziale Absicherung von Betreuungsarbeit. Das erarbeitete Grundlagenpapier analysiert die Lücken im...