Mehr als drei Jahrzehnte lang führte Velupillai Prabhakaran einen blutigen Krieg gegen die Regierung Sri Lankas: Im Kamp...
dts Hintergründe - realbrbrMehr als drei Jahrzehnte lang führte Velupillai Prabhakaran einen blutigen Krieg gegen die Regierung Sri Lankas: Im Kampf um einen eigenen Tamilen-Staat im Norden des Landes dirigierte der 54-Jährige eine gnadenlose Guerilla-Armee, entsandt ...
dts Hintergründe -
Mehr als drei Jahrzehnte lang führte Velupillai Prabhakaran einen blutigen Krieg gegen die Regierung Sri Lankas: Im Kampf um einen eigenen Tamilen-Staat im Norden des Landes dirigierte der 54-Jährige eine gnadenlose Guerilla-Armee, entsandte reihenweise Selbstmordattentäter und ließ Politiker ermorden. Nun soll der Chef der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) tot sein. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde Prabhakaran am Montag auf der Flucht erschossen. Einen Beweis für seinen Tod gibt es bislang nicht. Aber solange Zweifel an dem Schicksal des Rebellenführers bestehen, ist der Konflikt in Sri Lanka wohl nicht abschließend beendet.
Denn Prabhakaran wird von seinen Anhängern verehrt wie ein Gott, die Kämpfer seiner Guerilla-Armee sind ihm zu strengem Gehorsam verpflichtet. Prabhakaran wird zudem als Mann mit eisernem Willen beschrieben. "Er kann nicht aufgeben", sagte der indische Prabhakaran-Biograf M.R. Narayan Swamy vor der Bekanntgabe des Tods des Tamilenführers. "Ein Prabhakaran, der kämpft und unterliegt, wird eine Legende werden, zumindest für sein Volk." Bei einem Prabhakaran, der die Flucht ergreife, sei das etwas ganz anderes. Der Regierung des Inselstaats im Indischen Ozean käme ein ruhmloser Tod des Staatsfeinds Nummer Eins auf der Flucht also gelegen.
Geboren wurde der beleibte Rebellenchef mit dem schwarzen Schnauzbart am 26. November 1954 auf der Halbinsel Jaffna, einer Tamilenhochburg. 1972 taucht er ab, damals noch eher Banden- als Rebellenchef - um später einen Krieg mit mindestens 70.000 Toten anzuführen, von denen gut ein Drittel seine eigenen Leute waren. Als er gesehen habe, wie srilankische Sicherheitskräfte tamilische Zivilisten misshandelt hätten, habe er beschlossen, sein Leben dem Kampf für die tamilische Sache zu widmen, sagte er einmal. Tausende junge Männer und Frauen folgten seinem Ruf zu den Waffen.
Prabhakaran terrorisierte seine Heimatinsel Sri Lanka und sogar den mächtigen Nachbarstaat Indien. Er galt als einer der geschicktesten und zugleich meistgefürchteten Guerillaführer in der Geschichte der modernen Kriegsführung. Das Anwerben und den Einsatz von Selbstmordattentätern brachte er schon zu perfider Perfektion, als es das Terrornetzwerk El Kaida noch gar nicht gab.
Die Kämpfer Prabhakarans machten grundsätzlich keine Gefangenen, bei ihren Angriffen auf srilankische Truppen überlebte häufig kein einziger Soldat. Der Tötungsmaschinerie Prabhakarans wird die Ermordung des früheren indischen Regierungschefs Rajiv Gandhi im Jahr 1991 genauso zur Last gelegt wie die Morde an Sri Lankas Präsident Ranasinghe Premadasa 1993 und Außenminister Lakshman Kadirgamar im Jahr 2005.
Prabhakarans Tamilen-Tiger hatten - wie die Streitkräfte von Staaten - eine eigene Armee, Marine und Luftwaffe, finanziert und ausgerüstet mit Hilfe illegaler Geldquellen und Schmuggelei. Noch im Jahr 2006 kontrollierten die Rebellen etwa ein Drittel des Staatsgebiets. Nachdem die srilankische Armee zu Jahresbeginn eine Militäroffensive gegen die Rebellen startete, drängte sie die Tamilen-Tiger im weiter zurück und zwang sie am Wochenende schließlich zur Aufgabe.
Der Anführer der Rebellen selbst ist seit mehr als einem Jahr von der Bildfläche verschwunden. Im Zuge der Militäroffensive gefangene Rebellen gaben zwar an, er führe den Kampf noch immer an, gesehen hatte aber offenbar niemand den Chef der Tamilen-Tiger. Spekuliert wurde über eine Flucht nach Indien oder Thailand. Auch Gerüchte über Verstecke unter der Erde oder in einer Unterwasserkapsel vor der Küste Sri Lankas kamen auf. Der offiziellen Version zufolge ist das Ende Prabhakarans jedoch schlicht und ruhmlos: Demnach wurde er gemeinsam mit zwei Stellvertretern erschossen, als er in einem kleinen Konvoi vor der srilankischen Armee die Flucht ergriff.
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CamiloSanchis (Camille Sanchis)