05.05.2009 14:53 Alter 3 Jahre Rubrik: Hessen 1162

Marburger Museum zeigt skurrile Polizei-Oldtimer

ddp_hessen - Marburg (ddp-hes). Die Isetta mit ihren zwölf PS ist der Liebling des Marburger Polizei-Motorsport-Clubs. «Polizei» steht auch auf der Fronttür des Gefährts. Und tatsächlich wurde die grün lackierte «Knutschkugel» in den 60er Jahren vo ...


ddp_hessen - Marburg (ddp-hes). Die Isetta mit ihren zwölf PS ist der Liebling des Marburger Polizei-Motorsport-Clubs. «Polizei» steht auch auf der Fronttür des Gefährts. Und tatsächlich wurde die grün lackierte «Knutschkugel» in den 60er Jahren von Schutzmännern auf dem Land auf dem Weg zu Einbrüchen und Unfällen gesteuert. Mehr als 70 ausrangierte Polizeiautos gibt es in der ungewöhnlichen Ausstellung zu sehen, die einmal im Monat in den ehemaligen Bundeswehrhallen im Marburger Stadtteil Cyriaxweimar ihre Tore öffnet.

Die Polizisten Hans-Peter Kaletsch und Hans-Heinrich Menche gehören zu den Gründern der einzigartigen Sammlung. Bereits seit den 90er Jahren sammelt der Polizei-Motorsport-Club Marburg Oldtimer. Zur Sammlung gehören auch ein paar Jux-Gefährte, die so nie wirklich im Polizeieinsatz waren, aber unter die grün-weißen Exponate gemischt wurden: Dazu gehören eine «Pol-Ente» (Citroën 2CV), Trabis, Fiats oder Vespas.

In Tausenden Arbeitsstunden wurden die Karossen der Exponate so hergerichtet, dass sie jederzeit starten können. Die Polizeioldtimer sind nicht nur im Museum zu sehen. Sie starten auch auf Hessentagen, Umzügen und haben bereits in zahlreichen Kriminalfilmen mitgewirkt. Jüngster Auftritt: In dem Filmdrama «Der Baader-Meinhof-Komplex» sitzt Kaletsch gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Diehl bei der Baader-Festnahme in einem passenden VW 412: «Da bin ich ungefähr eine 3000stel Sekunde zu sehen», erzählt Kaletsch. Außerdem fährt er kurz vor der Explosion im Augsburger Polizeipräsidium um die Ecke. Am Set Schnappschüsse von Moritz Bleibtreu oder Martina Gedeck zu machen, war den Komparsen aus Marburg allerdings streng verboten.

Für authentisches Ambiente sorgten die ausgemusterten Polizeiautos mit den Marburger Beamten auch schon in zahlreichen «Tatort»-Folgen, in Filmen über die Oetker-Entführung oder den Fall der Lebedame Vera Brühne. Als die Lebensgeschichte von Gerd Bastian und Petra Kelly verfilmt wurde, saßen sie einem Daimler-Benz-Wasserwerfer, Baujahr 1974. Die ganze Nacht wurde die Szene um die Blockade des US-Depots in Mutlangen gedreht.

Dass die Marburger so viele Oldtimer sammeln konnten, liegt nicht nur an der Begeisterung der Polizei-Motorsportfreunde. Schon seit Jahren sorgt ein Erlass des damaligen Innenministers Herbert Günther dafür, dass alle älteren Dienstfahrzeuge aus dem Bestand der hessischen Polizei dem Marburger Motorsportclub angeboten werden müssen. Andere Bundesländer schlossen sich dieser Praxis an.

Einmal im Monat können Besucher die alten Polizeifahrzeuge im Museum bewundern. Der einst meistverwendete Streifenwagen aus den 60er- und 70er Jahren war der VW Käfer, an dessen Manko sich Menche noch intensiv erinnert: In den Käfer mit seinen zwei Türen konnte man Gesetzesbrecher kaum hineinbugsieren, wenn sie renitent wurden. Viel benutzt wurden auch die VW-Busse, die als Mannschaftswagen oder Gefangenentransporter dienten.

Aus dem Bestand der hessischen Polizei stammen viele Opel-Fabrikate - etwa ein Kapitän, in dem zumeist die Polizeiführer saßen. Ein Unikat ist die fahrbare Fernmeldeleitstelle von 1952, die mit Fernschreiber, Funkanlage und Lautsprechern hauptsächlich bei Demonstrationen eingesetzt wurde. Auch das letzte Amphibienfahrzeug Hessens, in dem noch bis zum Jahr 2000 die Segler und Angler am Edersee kontrolliert wurden, findet sich im Museum. Dazu kommen ein gepanzertes Begleitschutzfahrzeug für Geldtransporte und ein original Wartburg der DDR-Volkspolizei.

Die Polizisten freuen sich vor allem über die Reaktionen der Besucher. «Wenn man diesen Fahrzeugen um die Ecke kommt, hat man alle Leute auf seiner Seite», sagt Kaletsch.

(ddp)


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