Drei junge Frauen sollen Mann ein Auge ausgetreten haben
ddp_hessen - Kassel (ddp). Es war ein Gewaltexzess: Vor mehr als zwei Jahren wurde ein junger Mann in Kassel von Jugendlichen brutal zusammengeschlagen. Sie traten so lange auf den heute 29-Jährigen ein, dass der Mann sein rechtes Auge verlor. Wegen der Ta ...
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ddp_hessen - Kassel (ddp). Es war ein Gewaltexzess: Vor mehr als zwei Jahren wurde ein junger Mann in Kassel von Jugendlichen brutal zusammengeschlagen. Sie traten so lange auf den heute 29-Jährigen ein, dass der Mann sein rechtes Auge verlor. Wegen der Tat müssen sich ab Dienstag drei junge Frauen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen gemeinschaftliche schwere Körperverletzung zur Last.
Zwei der drei mutmaßlichen Angreiferinnen waren bei der Tat noch minderjährig. Mädchen, die derart zuschlagen, sind nach Ansicht des Kasseler Oberstaatsanwalts Hans-Manfred Jung keine Ausnahme: «Mein Eindruck ist, dass junge Frauen heute häufiger bei Körperverletzungsdelikten dabei sind als noch vor sechs, sieben oder acht Jahren.»
Laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik waren von den Tatverdächtigen im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren, gegen die im Jahr 2007 in Deutschland wegen schwerer oder gefährlicher Körperverletzung ermittelt wurde, rund 17,5 Prozent weiblich. Im Jahr 2000 hatte der Anteil bei etwa 15 Prozent gelegen. In absoluten Zahlen liest sich diese Entwicklung noch dramatischer: Von bundesweit gut 4100 Mädchen, die im Jahr 2000 wegen derartiger Gewalttaten verfolgt wurden, kletterte die Zahl auf fast 6600 im Jahr 2007 - ein Plus von mehr als 60 Prozent.
An jenem Märzabend vor zwei Jahren in Kassel war reichlich Alkohol geflossen. Am Mattenberg, einem Problemquartier im Südwesten von Kassel, hatten sich Jugendliche auf der Straße getroffen und getrunken. Für junge Leute, die in der Hochhaussiedlung leben, kein ungewöhnlicher Zeitvertreib. Doch diesmal mit dramatischen Folgen: Am Ende lag das Opfer mit gebrochenem Gesichtsknochen und auf einem Auge erblindet in seinem Blut.
Wie es dazu kam, hatte das Kasseler Jugendschöffengericht bereits im Dezember 2007 zu klären versucht. Auf der Anklagebank saßen damals zwei junge Männer. Zusammen mit anderen Jugendlichen hätten sie ihr Opfer, das zuvor noch mit ihnen getrunken hatte, regelrecht gejagt, hieß es. Grundlos hätten sie den Mann zu Boden geschlagen und dann mehrfach gegen den Kopf getreten - zu siebt, Jungen wie Mädchen seien gleichermaßen dabei gewesen. Doch die beiden Angeklagten beteuerten hartnäckig ihre Unschuld. Und bei den Zeugen stieß das Gericht auf eine Mauer des Schweigens.
Selbst das Opfer schien nicht alles verraten zu wollen und verwickelte sich in Widersprüche. Das Gewebe aus Lügen, Schweigen, Gerüchten und Halbwahrheiten schien undurchdringlich, bis nach mehrstündiger Verhandlung einer der Verteidiger den Coup präsentierte: die Aufzeichnung eines Handy-Gesprächs, in dem sich eines der eigentlich nur als Zeuge geladenen Mädchen mit der Tat brüstete. Derart überrumpelt, legte die junge Frau ein Geständnis ab - und zwei ihrer Freundinnen gleich mit. Den drei mutmaßlichen Schlägerinnen brachte das eine Anklage ein, die beiden ursprünglich Angeklagten wurden freigesprochen.
Für das neue Verfahren sind zwölf Zeugen geladen. Das Gericht will mit nur zwei Verhandlungstagen auskommen: Bereits am 4. Mai soll das Urteil verkündet werden.
(ddp)
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