Politologe: Menschenrechte werden auch in Deutschland verletzt
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ddp_politik - Stuttgart (ddp). Menschenrechtsverletzungen beschränken sich nach
Einschätzung des Politikwissenschaftlers Michael Windfuhr nicht nur
auf Länder außerhalb Europas. Auch in Deutschland und in anderen
europäischen Staaten gebe es Menschenrechtsverletzungen, sagte der
Leiter des Referats Menschenrechte der evangelischen
Hilfsorganisation «Brot für die Welt» in Stuttgart der
Nachrichtenagentur ddp anlässlich des Internationalen Tages der
Menschenrechte am 10. Dezember. Zwar seien die Fallzahlen wesentlich
geringer als etwa in afrikanischen Staaten. «Aber auch bei uns werden
täglich wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte von
Randgruppen verletzt«, betonte Windfuhr.
Als Beispiel nannte Windfuhr etwa die Wohnungssuche für
Arbeitslose, die immer schwieriger werde. Auch das Recht auf
Gesundheit stehe in verschiedenen Fällen zur Disposition, etwa wenn
aufgrund finanzieller Probleme im Gesundheitswesen die Menschen in
Pflegeheimen nur unzureichend versorgt würden. «Das sind sehr reale
Aspekte, bei denen die Menschenwürde nicht ausreichend geachtet
wird», kritisierte der Menschenrechtsexperte. Zwar versuche die
Bundesregierung, Abhilfe zu schaffen. Aber die Anstrengungen reichten
offensichtlich nicht aus, was ja auch der jüngste Armuts- und
Reichtumsbericht der Bundesregierung darlege.
Mit Blick auf die Finanzmarktkrise sagte der in Heidelberg
lehrende Politologe, dass zahlreiche Industrieländer momentan hohe
Bürgschaften für Banken ausgeben und teure Hilfspakete für Konzerne
schnüren, sei zwar verständlich. Allerdings bleibe doch ein bitterer
Nachgeschmack zurück, "weil die Etats für Entwicklungshilfe in Europa
trotz diverser Zusagen nur sehr langsam steigen». Bitter sei auch der
Umstand, dass der Steuerzahler für die Finanzbranche einstehen müsse.
Das Geld könnte langfristig für Schulen, Krankenhäuser und auch für
die Aufstockung der Entwicklungshilfe fehlen, befürchtete der
Menschenrechtsexperte.
(ddp)
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