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Blut ist dicker als Wasser – selbst nach 100 Jahren Trennung
DUDERSTADT
In dem auf Tatsachen basierenden Roman „Die Frauen von Janowka“ spürt der Autor Helmut Exner dem Leben seiner Vorfahren nach. Er landet dabei in einer Gegenwart, die er bislang noch nicht kannte. Über Kontinente hinweg findet er die Nachkommen seiner Familie, die vor langer Zeit auseinandergerissen wurde. Hierbei stellt er fest, dass das gemeinsame Erbe stark ausgeprägt ist. Von äußerlichen Ähnlichkeiten über Charaktereigenschaften bis hin zu Essgewohnheiten gibt es selbst nach hundert Jahren Trennung frappierende Gemeinsamkeiten.
Jahrzehntelang leben die Menschen in dem von Deutschen gegründeten wolhynischen Dorf Janowka in Frieden und Wohlstand. Mit den ukrainischen, polnischen, russischen und jüdischen Nachbarn lebt man in gutem Einvernehmen zusammen. Der Wind dreht sich, als Zar Nicolaus II. Ende des 19. Jahrhunderts den Deutschen aufgrund der großpolitischen Wetterlage das Leben schwer macht. Immer mehr Siedler verlassen das Land in Richtung Preußen oder Nordamerika. Die, die bleiben, erleben die Hölle nach Ausbruch des 1. Weltkriegs. Zweihunderttausend deutsche Wolhynier werden nach Sibirien verschleppt. Die Überlebenden dieses Exodus dürfen nach dem Krieg zurückkehren, fühlen sich aber in ihrer Heimat nicht mehr wohl. Jeder versucht, das Land zu verlassen. Auch die Familie Exner wird zerrissen. Einige gehen nach Deutschland, andere nach Polen. Die meisten versuchen, nach Kanada zu gelangen. Vier starke Frauen, die das Schicksal voneinander trennt und in verschiedene Richtungen schickt, versuchen, das Überleben der Familie zu sichern.
Das Buch ist im Stil einer spannenden Familiensaga geschrieben und gibt Einblick in die kaum noch bekannten geschichtlichen Zusammenhänge der letzten hundert Jahre. Trotz aller Tragik des Geschehens und einer unbarmherzigen Geschichte ist das Buch eine Hommage an das Leben. Skurrile Ereignisse und deftiger Humor prägen die Menschen ebenso stark wie Krieg, Verfolgung und Schicksalsschläge. Am Ende des Buches ist der Leser, ebenso wie die Personen in der Geschichte, versöhnt mit Gott und der Welt.
Helmut Exner, Jahrgang 1953, ist gelernter Buchhändler und arbeitet seit Jahrzehnten im Verlagswesen als Vertriebsleiter, Produktmanager und heute als Verleger eines Fachbuch-Verlages. Neben dem beruflichen Umgang mit Texten schreibt er seit vielen Jahren immer wieder Beiträge in Zeitungen und Büchern, die sich mit Themen aus Kunst und Musik beschäftigen. Des Weiteren hat er an Biografien mitgearbeitet und Kurzgeschichten geschrieben. „Die Frauen von Janowka“ ist sein erster Roman.
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