Ungesundes Essen an Thüringer Schulen
06.10.2009 Die Verpflegung an Thüringens Schulen ist zu ungesund. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die die Verbraucherzentrale Thüringen am Dienstag in Erfurt vorgestellt hat. An keiner der teilnehmenden Schulen genügten die Speisepläne den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Es werde "erschreckend" wenig Gemüse angeboten, stattdessen komme viel Fleisch auf den Teller.
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Laut Projektleiterin Alexandra Lienig von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung ist zwar an nahezu allen Schulen ein warmes Mittagessen zu bekommen. Das Angebot nehmen jedoch weniger als 50 Prozent der Schüler wahr. Viele verzichteten lieber auf das Schulessen, weil es nicht schmecke oder zu teuer sei, sagte Lienig. Ein Mittagessen koste durchschnittlich 1,90 Euro. Auch seien die fürs Essen eingeplanten Pausenzeiten oft zu kurz.
Das Essen werde nicht selten länger als drei Stunden warmgehalten. Darunter litten der Vitamingehalt und der Geschmack, sagte Lienig. Größtes Problem ist aber der Speiseplan: Nur bei drei Prozent der Thüringer Schulen steht täglich Gemüse auf dem Programm, Obst sogar nur bei einem Prozent der Schulen. Viel zu selten werden Lienig zufolge Fisch und vegetarische Gerichte serviert. Milch sei in den Schulen kaum nachgefragt.
An der Studie beteiligten sich 382 Schulen, 1030 wurden angefragt. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung, die im Rahmen der bundesweiten Initiative "In Form" für gesunde Ernährung und mehr Bewegung gegründet wurde, empfiehlt, über die Qualitätsstandards an den Schulen aufzuklären. Außerdem müsse es mehr Kontrollen geben. Schüler könnten überdies in Projektarbeiten Speiseräume- und Speisepläne selbst gestalten.
Das Thüringer Kultusministerium mahnte, bei der Auswahl des Essensanbieters verstärkt auf Qualität zu achten. Gefragt seien hier Schulträger, Schule und Eltern, sagte ein Sprecher. Eine ausgewogene Ernährung in Elternhaus und Schule sei eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.
Grünen-Landessprecher Frank Augsten sagte, bei der Auswahl der Essensanbieter dürfe nicht das Kriterium "egal was, Hauptsache das Essen ist billig" gelten. Es müsse eine wirkliche Erziehung der Kinder zu gesunder Ernährung stattfinden. Für bedürftige Kinder müsse das Essen kostenlos sein.
Die Linke forderte, dass die EU-Förderprogramme für Milch und Obst flächendeckend bei den Schulen ankommen. Einen entsprechenden Antrag habe die Linke bereits vergangene Woche in den Landtag eingebracht, sagte Fraktionschef Dieter Hausold. Er schlug zudem vor, den Landeszuschuss für Mittagessen an Schulen wieder einzuführen.
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